unsanftes erwachen

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Was hat Josef nur gedacht als seine Brüder ihn gepackt haben? Ob er überrascht war? Seine Brüder hätten ihn beinahe umgebracht. So sauer waren sie auf ihren kleinen Bruder. Nur die beiden Ältesten verhindern das noch: Ruben und Juda. Der eine möchte Joseph nur einen Denkzettel mitgeben, der andere ihn wenigstens aus dem Weg schaffen. Doch umbringen wollen sie ihn nicht. Diese Schuld wollen sie nicht auf sich nehmen.

Da ist in einem Brunnen ein Träumer sehr unsanft geweckt worden.

Wenn wir jemanden heute einen Träumer nennen, dann meinen wir doch, dass seine Pläne für die Zukunft nichts mit der Realität zu tun haben. Ein Träumer ist abgehoben, hat den Kontakt zum Boden verloren und wenn er den Kontakt zur erde wieder bekommt ist das manchmal recht schmerzhaft. Joseph sieht am Boden dieses Brunnens nicht besonders glücklich aus.

Ihr alle habt am Anfang eure Träume, Wünsche und Ziele für die Zukunft aufgeschrieben: wie das leben weitergeht, wo ich in fünf Jahren sein werde und was ich dann arbeite (muss ich eigentlich arbeiten?), und dann werde ich mein Leben mit … teilen und wir werden glücklich sein. Die meisten Träume betreffen unser späteres Leben.  Wir alle haben Träume - wie Joseph. Er träumt auch. Träumt von seinem Leben, von ihm und seiner Familie.

 

Und doch haben wir eben gesehen, dass seine Brüder nicht sehr begeistert sind von seinen Träumen. Warum eigentlich nicht? Gönnen sie ihm seine Träume nicht? Sind diese Träume so schlimm?  Joseph und seine Brüder sind nicht in einer Clique, Joseph ist eher der Außenseiter bei den anderen. Er ist der Liebling des Vaters und das kann man auch sehr deutlich an seinem Umhang sehen, den er von seinem Vater geschenkt bekommt. Und er erzählt seine Träume, in denen er der Mittelpunkt der Familie ist und die anderen sich vor ihm verneigen. Das stört die Brüder. Die Brüder werfen Joseph in den Brunnen. Sie wollen ihn loswerden, ihn töten, er soll verschwinden. Er nervt sie mit seinen Träumen. Ich glaube sie sind neidisch auf ihn. Sie wollen auch so sehr geliebt werden von ihrem Vater. Joseph bekommt all das, was sie haben möchten. Sie sind sauer und neidisch.

 

In den letzten Monaten hören wir öfter von Jugendlichen, die andere verprügeln, die andere Menschen verletzen und im schlimmsten Fall sie sogar töten. Sie kennen ihre Opfer nicht einmal. Da stellte sich jemand einfach nur ihnen entgegen, ging bei einem Streit dazwischen oder ermahnte sie sich an die Regeln des Miteinanders zu halten. Mich erinnern diese Jugendlichen irgendwie an die Brüder von Joseph. Sie sind sauer auf sich, auf die Welt, auf viele Dinge und die einzige Möglichkeit, diese Wut herauszulassen, scheint für sie Gewalt zu sein. Sie gebrauchen Personen wie einen Sandsack, an dem sie sich abreagieren. Sie wollen sich selbst in der starken Rolle sehen, wollen selbst das sagen haben. Es gibt viele Gründe für junge Menschen frustriert zu sein. Wut, weil die Bewerbung ungelesen zurück kommt, weil sowieso kein Schulabschluss drin ist, weil zu Hause auch nur Prügel regieren und eigentlich niemand mit ihnen zusammen sein will. Dieser Ärger sitzt fest in ihnen drin und sucht nach einem Ventil.

Die meisten von Josephs Brüdern wollen auch durch Gewalt handeln, sie wollen Joseph töten.  Wer soll sie jetzt aufhalten? Der Vater ist weit weg, es gibt keine Zeugen und Joseph ist deutlich schwächer als sie… Doch zwei von Josephs Brüdern handeln anders. Sie zeigen das, was man heute Zivilcourage nennt.

Einmal ist da Ruben. Er ist der Älteste, der sich verantwortlich fühlt für die gesamte Gruppe. Nicht nur für seine Brüder, die er davon abhalten will Joseph zu töten. Damit  sein Blut nicht an ihren Händen klebt. Schuld die man nicht loswerden kann und die auf jeden Fall vor gott gerichtet werden wird. Er überredet sie, ihn in den Brunnen zu werfen.

Er hat jedoch nicht geplant, ihn dort zu lassen. Denn er fühlt sich auch verantwortlich für Joseph. Er will ihn in einer ruhigen Minute, wenn die anderen nicht mehr da sind, aus dem Brunnen holen und ihm zum Vater zurück bringen. Doch er hätte den Konflikt dadurch jedoch nicht gelöst, die Brüder hätten, denke ich, nur die nächste Gelegenheit gesucht um ihren Plan ohne Rubens Wissen umzusetzen.

Doch es gibt da noch Juda! Ein eher geschäftstüchtiger Problemlöser. Er überredet seine Brüder Joseph nicht umzubringen, sondern zu verkaufen. So haben sie keine Blutschuld auf sich geladen und trotzdem Joseph aus ihren Augen.

Was macht Ruben und Juda aus? Sie verstehen die Wut ihrer Brüder und kennen trotzdem noch das Gesetz. Sie zeigen ihren Brüdern die Konsequenzen, die sie mit der Ermordung auslösen würden. Und sorgen dafür, dass die Wut in geregelten Bahnen abgebaut wird.

Ich denke, hier möchte keiner seine Wut mit Gewalt herauszulassen. Trotzdem kennen wir das Gefühl von Josephs Brüdern. Wir werden oft damit konfrontiert, dass andere Menschen ihre Träume äußern, dass sie uns erzählen, was sie so Tolles erleben werden. Da erzählt der eine von der neuen PS3 die er von seinen Eltern an Weihnachten geschenkt bekommt, die beste Freundin schwärmt einem von ihrer tollen Beziehung vor, oder man bekommt von einem tollen Fußballspiel erzählt, zu dem man gerne auch gegangen wäre, ging aber nicht. Man hat Ärger mit den Geschwistern und die Eltern halten natürlich mal wieder nur zu den Geschwistern. Wie auch sonst. Ich denke diese Sachen haben viele von euch schon selbst erlebt.

Träume scheinen für uns notwendig zu sein, damit wir in unserem Leben glücklich sind. Die Hauptfrage scheint mir deshalb eher darin zu liegen, ob es für mein Leben etwas ändert, wenn ein anderer meine Träume erleben kann? Ist mein eigenes Leben schlechter, weil eine Freundin eine tolle Beziehung hat? Habe ich in meinem Leben weniger Spaß, weil ein Bekannter zu einem Fußballspiel gehen kann? Habe ich weniger vom Leben, weil mein Bruder oder meine Schwester Recht bekommt?

Wer jetzt innerlich mit ja antwortet ist tatsächlich auf dem Weg der Brüder. Wer es schafft dem anderen zu gönnen, was der hat und bekommt, ist in der Lage glücklich zu werden. Denn überlegt mal ob diejenigen, die alles bekommen  wirklich glücklich sind.

Bei Joseph  habe ich da so meine Zweifel. Ja, er war der Lieblingssohn von seinem Vater, aber seine Brüder drängten ihn eher in die Außenseiterrolle. Warum erzählt er ihnen seine Träume? Vielleicht einfach nur, um mit ihnen reden zu können. Er will sie bestimmt nicht verärgern. Es steht nirgends in der Bibel, dass er ihnen stolz von seinen Träumen berichtet oder hochnäsig. Er geht zu ihnen und erzählt sie ihnen. Wie oft erzählen wir heute von unseren Träumen, damit wir was zu erzählen haben. Und wem sollte man seine Träume anvertrauen, wenn nicht seinen Freunden oder seiner Familie. Joseph will reden und er vergrößert den Riss immer mehr. Ich weiß nicht ob er merkt, dass der Abstand zwischen ihm und seinen Brüdern immer größer wird.

Vielleicht fühlt ihr euch ja auch manchmal wie Joseph. Ihr merkt, irgendwas stimmt nicht in einer Freundschaft, bei eurer Familie. Und ihr wisst, ihr habt nichts Schlimmes getan. Wenn man mit den Brüdern sprechen würde, könnten sie evtl. sagen, Joseph musste uns aber auch immer von seinen Träumen vorschwärmen. Was wir tun hat seine Konsequenzen – doch es sollte uns nicht davon abhalten eigene Träume, Wünsche und Ziele für die Zukunft zu haben, denn nur wer sich Ziele setzt weiß auch, wohin seine Lebensreise geht.

 

   

Nächste Termine  

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Andacht  

  • Schwierige Fragen

    Es war im letzten Jahr bei der Sommerfreizeit. Wir hatten einen besonderen Abend: Unterwegs im Land des Glaubens. Was mich an diesem Abend besonders beeindruckt hatte war der Wald der Fragen. An einer der Stationen durften alle Fragen stellen, die sie an den Glauben haben. Und an diesem Abend standen einige Fragen da auf die es keine einfache Antwort gibt. Jede einfache, schnelle oder eindeutige Antwort ist entweder herzlos oder nicht wirklich belastbar.

    Was muss ich glauben, damit ich es richtig mache? Da könnte ich einen Aufgabenkatalog nennen, ich würde immer etwas vergessen. Ich könnte auch sagen, Gott hat schon alles für dich getan. Das ist zwar richtig, fühlt sich aber ebenfalls komisch an: woher bekomme ich dann meine Sicherheit?

    Diese schwierige Frage bewegte auch einige junge Christen im Alten Griechenland. Durch Paulus und Barnabas hatten sie von Jesus gehört und davon das Gottes Geist die Menschen bewegt. Und so begeistert wurden sie glühende Anhänger. Dann kamen andere Prediger in ihre Gemeinde.

    Die waren sehr glücklich darüber, hier so begeisterte Christen zu finden. Aber sie meinten, der jungen Griechengemeinde fehlt noch etwas. Wer Christ sein will, sollte sich auch an die jüdischen Gesetze halten. Also sich beschneiden lassen und kein unreines Fleisch essen. Schließlich ist Jesus der Messias des jüdischen Gottes.

    Paulus war darüber entsetzt, denn für ihn ist klar nicht das jüdische Gesetz, sondern der Glaube an Jesus und sein befreiender Geist sind das entscheidende. Seine Überzeugung man muss kein Jude wer4den um an Jesus den Christus zu glauben.

    Was macht man nun, wenn man sich nicht einig ist in einer Glaubensfrage, zu der es keine Aussage von Jesus gibt? Nun Petrus, Paulus und alle anderen Apostel und Gemeindeleiter versammeln sich und diskutieren es aus. Sie beten miteinander gemeinsam darum, dass sie eine gute Lösung finden mögen. Und dann tragen die Parteien ihre Argumente vor, das was dafür spricht und das was dagegen spricht. Und schließlich einigen sie sich.

    Wie es bei schwierigen Fragen so ist: es gibt auch in diesem Fall unterschiedliche Versionen wie man sich geeinigt habe: Lukas erzählt in der Apostelgeschichte (15) von ein paar Verhaltensregeln an die sich die Christen halten sollen. Paulus selbst schreibt im Brief an die Galater (2): Das Ergebnis ist – es gibt keine Auflagen. Nur bitten die ärmeren Gemeinden um eine Kollekten Sammlung.

    Wir haben beschlossen in diesem Jahr mit Euch Fragen anzugehen. Fragen, die keine klaren Antworten haben. Wo wir selbst im Mitarbeiterteam nicht immer einer Meinung sind, bzw. manchmal auch überrascht was die anderen so denken. Wir wollen mit euch die verschiedenen Antworten entdecken. Und uns so oft wie möglich einigen.  Ich hoffe das klingt für Euch genauso spannend wie für mich mal zu fragen: was muss ich eigentlich glauben? Müssen wir alle exakt dasselbe glauben?...

    Ich bin froh, dass uns die Apostel vorgemacht haben, dass man sich auch um den richtigen Weg streiten darf. Und ich finde es ebenfalls toll, das wir heute noch lesen können: dass sie danach immer noch zwei Verschiedene Antworten der Einigung kennen. Das macht mir Mut, dass verschiedene Antworten nicht unbedingt heißen, dass eine der Antworten falsch ist…

   

Kindergottesdienst  

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