Keine halben Sachen

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„Es ist mein Sohn!“ Nein, du hast deinen Sohn verloren.“ Es früher morgen und durch die Halle dringt ein heftiges Geschrei. Zwei Frauen streiten miteinander. Die eine hält einen Säugling auf dem Arm. Es ist unmöglich ihren Streit nicht zu
beachten und so zieht Salomo, der heute selbst als oberster Richter entscheidet, die beiden Frauen vor. Es sind zwei Alleinerziehende Mütter, die in einer Wohngemeinschaft leben. Die Väter sind unbekannt.
„Was ist euer Problem?“
„Dies ist mein Sohn, doch diese Frau hat ihn mir heute Nacht gestohlen und statt dessen ihr totes Kind zu mir gelegt“ „Es ist nicht wahr, du hast in der Nacht dein Kind im Schlaf erdrückt und nun willst du mir meines nehmen.“ Die zwei keifen
sich weiter an und König Salomo hört eigentlich nicht was ihm beim entscheiden helfen könnte. Wäre das Kind älter hätte man es fragen können.
„Bringt mir ein Schwert!“
Auf einmal ist echt Stille in dem Raum. Alle halten die Luft an. Salomo will eine oder beide hinrichten lassen.

„Nun, da ihr euch nicht entscheiden könnt wessen Kind das ist. Teilen wir das Kind zwischen euch. Jede soll eine Hälfte
bekommen.“ „Ja, das ist weise. Teilt es. Wenn ich mein Kind nicht bekomme, soll Sie es auch nicht haben.“ Die Thronwache greift das Kind und hebt das Schwert.

Die andere Frau bricht zusammen: „Nein. Töte es nicht. Sie soll das Kind haben, aber lasst das Kind in einem Stück. Macht keine halben Sachen.“ Nun Salomo macht tatsächlich keine halben Sachen. Er lässt das Kind bei der Frau, die sich
um das Leben des Kindes gesorgt hat. Sie setzt auf ein ganzes, gesundes Kind und nicht auf tote Kompromisse.


Ich bin mir sicher beim Titel „Keine halben Sachen“ habt ihr nicht wirklich an halbe Gegenstände gedacht. An halbe Bäume, Blumen, Tasse oder Tontöpfe. Wenn man sagt mach keine halben Sachen, dann meint man: bring es zu Ende. „Mach es fertig. Bevor es dich fertig macht.“ Doch im Leben kommt es oft genug vor, dass es mehr als genug Dinge gibt, die man zu Ende bringen, tun oder lassen könnte.


Im Anspiel bekommt Max zwei Möglichkeiten angeboten, wie er seinen Freitagabend verbringen kann. Jacky und Tine hätten ihn beide gerne für sich. Doch Max muss sich entscheiden: er kann nicht beides machen. Und wenn er
jetzt zur Party geht und in Gedanken doch nur ein schlechtes Gewissen wegen des Jugendkreises hat oder im Jugendkreis nur an die Party denkt, dann macht er halbe Sachen. Lasse ich mich wirklich auf die Gemeinschaft im Jugendkreis
ein, wenn ich nur darauf warte bis es vorbei ist und ich dann so schnell es geht verschwinde? Ich meine nein – dann hatte mein Herz schon längst für die Party entschieden und es wäre besser gewesen ehrlich und dabei zu sein.
Halbe Sachen, dass ist wenn ich etwas tue aber nicht wirklich bei der Sache bin. Da hat jemand große Töne gespuckt, was er alles tun will. Und er ist auch dabei, doch es kommt nicht viel dabei heraus. Manchmal sieht man das gar nicht. Nach
Außen sieht das gerade zu perfekt aus. Man muss schon näher rangehen und die Fassade abklopfen. Das ist was Salomo tut, er prüft die Motive der Frauen. Und dann wird es für alle deutlich, der einen geht es um Besitz, der anderen um ein
geliebtes Kind.


Es gibt in der Bibel viele dieser Geschichten in denen es um halbe Sachen geht und darum wer das recht hat zu Urteilen was halbe Sachen sind. Denke ich an Max, dann kommt mir eine Begegnung besonders in den Sinn. Da kommt ein
junger Mann zu Jesus. Er will wissen was er noch tun soll um in das Reich Gottes zu kommen. Und Jesus sagt ihm: „Du weißt es doch selbst. Es steht geschrieben in den Geboten.“ „Okay. Das mache ich ja alles. Doch ich fragte mich, ob es noch
was gibt.“ „Klar. Gib alles weg was du jetzt hast und folge mir nach.“ Der junge Mann geht traurig weg. Er weiß, dass er das nicht kann. Und die Jünger sind entsetzt, dieser nette, fromme, junge Mann schafft es nicht – wer soll es dann
schaffen.


Jesus hat die Fassade abgeklopft und vor ihm stand einer, der bestätigt werden wollte. „Ich bin doch gut und auf dem richtigen Weg, oder?“ Doch das Herz dieses jungen Mannes konnte und wollte seine Sicherheiten nicht loslassen. Es
heißt er hatte viel Geld, aber ich glaube wenn sein Geld gerade so zum Leben reicht dann wäre er genauso traurig abgezogen. Er konnte und wollte sich nicht allein auf seinen Glauben verlassen.


Und das kenne ich auch. Natürlich ist mir mein Glauben wichtig. Doch weiß ich nicht, ob ich alle schönen Dinge die ich in meinem Leben haben einfach loslassen könnte. Meine Wohnung, mein Auto, Fernsehen, PC, DSL-Anschluss, Handy,
meine Frau, gutes Essen jeden Tag ... da gibt es noch viel mehr, was ich oder auch ihr aufzählen könnt. Das lässt man nicht einfach so los. Deswegen sind die Jünger auch so entsetzt. Mensch Jesus der Junge meint es doch ehrlich. Wenn er
es mit seinen Anstrengungen nicht schafft, dann kann es doch keiner.


Ihr werdet in eurem Leben, unter anderem bei eurer Konfirmation, gefragt: wollt ihr euer Leben mit Jesus leben. Meine Antwort ist volljährig. Doch ich war in der ganzen Zeit nicht an dem Punkt, dass ich mein Leben komplett verlassen hätte.
Wenn das der Maßstab ist, dann schafft es keiner. Jesus antwortet seinen Jüngern und all denen, die sich fragen wie soll man das denn schaffen: Für Menschen ist es unmöglich, aber bei Gott ist es möglich. Das Reich Gottes wird nicht davon abhängen, ob ihr es schafft keine halben Sachen zu machen. Weil Gott euch und das Leben von ganzem Herzen liebt macht er keine halben Sachen. Darauf könnt ihr euch verlassen.


Wenn eure Fassade abgeklopft wird und die halben Sachen eures Lebens hervortreten, dann lauft nicht weg. Sondern bleibt im Gespräch mit Gott und bittet ihn darum eure halben Sachen ganz zu machen.


Lieber Vater,
du machst keine halben Sachen. Du liebst uns ganz auch, wenn wir immer wieder mit unseren Scherben und halben Dingen vor dir stehen. Du bringst die halben Dinge im Leben zu Ende. Nicht in dem du uns eine heile Welt verschaffst, sondern in dem du aus unseren Scherben neues baust.
Ich bitte dich, nimm unsere halben Sachen und mache das beste daraus, tröste, die sich zerrissen fühlen, geh mit denen die alleine sind, schenk uns ein ganzes Herz für dich.
Danke, dass wir so wie wir sind kommen dürfen und du uns ganz machen willst.
Amen

   

Nächste Termine  

Mär
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04.Mär.2020 19:00 - 21:00

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20.Mär.2020 19:00 - 21:00

   

Andacht  

  • Vertrauen

    Mitten in der Frankfurter Innenstadt liegen vor einer Kirche 54000 Cent-Stücke. Die Münzen bilden in großen Buchstaben das Wort VERTRAUEN. Über den Köpfen der Passanten hängt eine Kamera, die das Geschehen dokumentiert - Kunst als Medienexperiment.

    Künstler Ralf Koop will testen, wie lange das Interesse an dem Erhalt des Kunstwerkes den Menschen wichtiger ist als der reine Geldwert - und ab wann es von den Passanten „gefressen“ wird. Noch am Abend ist das Wort VERTRAUEN deutlich zu erkennen. Dann kommt die Dunkelheit und mit ihr diejenigen, die der Verlockung nicht widerstehen können. Sie zerstören das Wort, indem sie das Geld wegnehmen. Das Wort VERTRAUEN ist kaum noch lesbar. „Gier frisst Vertrauen“ hat der Künstler sein Kunstwerk genannt.

    Ralf Koop ist keine 14 Stunden nach dem Auslegen entsetzt, wie schnell sich die Gier durchgesetzt hat: 540 Euro - ein lächerlicher Betrag, für den einige Passanten bereit sind, das vom Künstler in sie gesetzte Vertrauen zu enttäuschen. Doch obwohl sein Vertrauen in die Menschen enttäuscht wurde, möchte Koop es bald erneut mit ihnen versuchen. Er plant weitere solche Kunstwerke, denn er wirft das Vertrauen in die Menschen nicht weg.

    Nach dem ersten Schock beginnt er sich über die positiven Seiten seines Experimentes zu freuen: Er erinnert sich an die Menschen, die noch Geldmünzen dazulegten. Oder an die Passanten, die das Wort wieder herrichten als ein Radfahrer versehentlich darüber fährt. Und an die Jugendlichen, die den Rest des Kunstwerks für einen Obdachlosen abräumen. Sie haben es nicht für sich getan. Sie haben einem Menschen geholfen, der offensichtlich auf Geld angewiesen war.

    Wer es wagt zu vertrauen, steht in der Gefahr enttäuscht zu werden. Doch wer dieses Wagnis nicht eingeht, verpasst solche wundervolle Begegnungen.

   

Kindergottesdienst  

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